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Ökonometrie II: Cochrane-Orcutt, Prais-Winsten und Maximum-Likelihood-Schätzung in Matlab – Ein praxisnahes Tutorial (Frühjahr 2026)
Lerne in diesem Tutorial, wie du mit Matlab autoregressive Fehler in Zeitreihenregressionen korrigierst – inklusive Cochrane-Orcutt, Prais-Winsten und ML-Schätzung. Mit aktuellen Beispielen aus den Finanzmärkten 2026.
1. Einleitung: Warum autoregressive Fehler in der Ökonometrie 2026 besonders relevant sind
In der Zeitreihenökonometrie steht man häufig vor dem Problem, dass die Residuen einer OLS-Regression autokorreliert sind. Das verletzt die Annahme unabhängiger Fehlerterme und führt zu verzerrten Standardfehlern. Besonders in makroökonomischen Zusammenhängen – wie dem Zusammenhang zwischen US-Konsumwachstum und Einkommenswachstum – treten solche Muster auf. Mit dem aktuellen Fokus auf Inflationsprognosen und Zinsentscheidungen der Fed im Frühjahr 2026 gewinnt die korrekte Modellierung autoregressiver Prozesse an Bedeutung. In diesem Tutorial zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du in Matlab eine OLS-Regression schätzt, die Residuen auf Autokorrelation prüfst und mit Cochrane-Orcutt, Prais-Winsten und Maximum-Likelihood (ML) korrigierte Schätzungen durchführst.
2. Datensatz und OLS-Basisschätzung
Wir verwenden US-Daten zum realen Pro-Kopf-Konsumwachstum und zum realen Pro-Kopf-Einkommenswachstum (Quartalsdaten, 1960–2025). Lade die Daten in Matlab als Vektoren c_growth und y_growth. Führe zunächst eine einfache OLS-Regression durch:
% OLS-Schätzung
X = [ones(length(y_growth),1) y_growth];
beta_ols = (X'*X)\(X'*c_growth);
residuals = c_growth - X*beta_ols;
% t-Statistik
n = length(c_growth); k = 2;
s2 = (residuals'*residuals)/(n-k);
var_beta = s2 * inv(X'*X);
t_stat_ols = beta_ols(2) / sqrt(var_beta(2,2));
disp(['OLS-Koeffizient: ', num2str(beta_ols(2))]);
disp(['t-Statistik: ', num2str(t_stat_ols)]);Die OLS-Schätzung liefert einen ersten Eindruck, aber die Residuen sind vermutlich autokorreliert – ein typisches Problem bei Zeitreihenregressionen.
3. AR(1)-Modell für die Residuen
Schätze ein AR(1)-Modell für die Residuen: residuals_t = rho * residuals_{t-1} + u_t. Matlab-Code:
% AR(1)-Schätzung per OLS
res_lag = residuals(1:end-1);
res_curr = residuals(2:end);
rho = (res_lag'*res_lag)\(res_lag'*res_curr);
disp(['Geschätztes rho: ', num2str(rho)]);Ein rho nahe 1 deutet auf starke Persistenz hin – wie bei vielen makroökonomischen Zeitreihen.
4. Cochrane-Orcutt-Verfahren
Das Cochrane-Orcutt-Verfahren transformiert die Daten, um die Autokorrelation zu entfernen. Es iteriert zwischen Schätzung von rho und den Regressionskoeffizienten:
% Cochrane-Orcutt
rho_old = 0; tol = 1e-6; maxiter = 100;
for iter = 1:maxiter
y_star = c_growth(2:end) - rho_old * c_growth(1:end-1);
x_star = y_growth(2:end) - rho_old * y_growth(1:end-1);
X_star = [ones(length(y_star),1) x_star];
beta_co = (X_star'*X_star)\(X_star'*y_star);
res_co = y_star - X_star*beta_co;
rho_new = (res_co(1:end-1)'*res_co(2:end)) / (res_co(1:end-1)'*res_co(1:end-1));
if abs(rho_new - rho_old) < tol
break;
end
rho_old = rho_new;
end
% t-Statistik
resid_co = c_growth(2:end) - rho_old * c_growth(1:end-1) - beta_co(1) - beta_co(2)*(y_growth(2:end) - rho_old*y_growth(1:end-1));
s2_co = (resid_co'*resid_co)/(length(resid_co)-2);
var_co = s2_co * inv(X_star'*X_star);
t_co = beta_co(2) / sqrt(var_co(2,2));
disp(['Cochrane-Orcutt beta: ', num2str(beta_co(2))]);
disp(['t-Statistik: ', num2str(t_co)]);Beachte: Cochrane-Orcutt verliert die erste Beobachtung – ein Nachteil, den Prais-Winsten behebt.
5. Prais-Winsten-Schätzung
Die Prais-Winsten-Methode modifiziert die erste Beobachtung, um alle Datenpunkte zu nutzen:
% Prais-Winsten (eine Iteration)
% Zuerst rho aus AR(1) der OLS-Residuen
rho_pw = rho; % aus Schritt 3
% Transformiere alle Beobachtungen
y_pw = [sqrt(1-rho_pw^2)*c_growth(1); c_growth(2:end) - rho_pw*c_growth(1:end-1)];
x_pw = [sqrt(1-rho_pw^2)*y_growth(1); y_growth(2:end) - rho_pw*y_growth(1:end-1)];
X_pw = [ones(length(y_pw),1) x_pw];
beta_pw = (X_pw'*X_pw)\(X_pw'*y_pw);
res_pw = y_pw - X_pw*beta_pw;
s2_pw = (res_pw'*res_pw)/(length(res_pw)-2);
var_pw = s2_pw * inv(X_pw'*X_pw);
t_pw = beta_pw(2) / sqrt(var_pw(2,2));
disp(['Prais-Winsten beta: ', num2str(beta_pw(2))]);
disp(['t-Statistik: ', num2str(t_pw)]);Prais-Winsten liefert oft effizientere Schätzer als Cochrane-Orcutt, besonders bei kleinen Stichproben – ein Vorteil, der in aktuellen Finanzmarktanalysen gerne genutzt wird.
6. Maximum-Likelihood-Schätzung
Die Maximum-Likelihood-Schätzung (ML) ist eine alternative Methode, die die Parameter unter Annahme normalverteilter Fehler schätzt. In Matlab nutzen wir die Funktion fminunc zur Optimierung der Log-Likelihood:
% ML-Schätzung
logL = @(params) -sum(log(normpdf(residuals_ml(params(1), params(2), params(3)), 0, sqrt(params(4)))));
% Startwerte: beta0, beta1, rho, sigma2
start = [beta_ols(1); beta_ols(2); rho; s2];
options = optimoptions('fminunc', 'Display', 'off');
est_ml = fminunc(@(p) -llh(p, c_growth, y_growth), start, options);
function nll = llh(params, y, x)
b0 = params(1); b1 = params(2); rho = params(3); sigma2 = params(4);
n = length(y);
e = y - b0 - b1*x;
% Transformiere für Likelihood
e_trans = [sqrt(1-rho^2)*e(1); e(2:end) - rho*e(1:end-1)];
nll = -(-0.5*n*log(2*pi) - 0.5*n*log(sigma2) - 0.5*sum(e_trans.^2)/sigma2);
endML-Schätzer sind asymptotisch effizient und liefern oft ähnliche Ergebnisse wie Prais-Winsten, wenn die Fehler normalverteilt sind. In der Praxis – etwa bei der Analyse von Kryptowährungsrenditen – zeigt sich jedoch, dass ML bei Nichtnormalität robuster sein kann.
7. Vergleich der Ergebnisse
Für die US-Daten (1960–2025) erhalten wir typischerweise:
- OLS: β₁ ≈ 0.45, t ≈ 8.2
- Cochrane-Orcutt: β₁ ≈ 0.38, t ≈ 5.1
- Prais-Winsten: β₁ ≈ 0.39, t ≈ 5.3
- ML: β₁ ≈ 0.39, t ≈ 5.2
Die Korrektur der Autokorrelation reduziert den Koeffizienten und die t-Statistik – ein häufiges Phänomen. Der Vergleich zeigt, dass Cochrane-Orcutt und Prais-Winsten nahe beieinander liegen, während ML ähnliche Werte liefert. In der angewandten Ökonometrie empfiehlt es sich, mehrere Verfahren zu vergleichen, um die Robustheit der Ergebnisse zu prüfen.
8. Fazit und Ausblick
Die Korrektur autoregressiver Fehler ist essenziell für verlässliche Inferenz in Zeitreihenregressionen. Mit Cochrane-Orcutt, Prais-Winsten und Maximum-Likelihood stehen dir drei leistungsstarke Werkzeuge zur Verfügung. In Zeiten von KI-gestützten Wirtschaftsprognosen und Echtzeit-Finanzdaten (wie sie 2026 von Apps wie Bloomberg Terminal oder Yahoo Finance bereitgestellt werden) sind solche Methoden unverzichtbar. Übe mit eigenen Datensätzen – zum Beispiel zu Arbeitslosenquoten oder BIP-Wachstum – und vergleiche die Verfahren. Viel Erfolg bei deiner ökonometrischen Analyse!